Bewegungsapparat · Schulter

Schulter

Sehnen sehen, bevor man sie näht.

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers – und damit dasjenige, das am meisten von Sehnen und Bändern zusammengehalten wird. Genau diese Strukturen zeigt kein Röntgenbild.

Lagerung am MRT in unserer Praxis: Unser Team richtet die Position vor der Untersuchung ein.
Die richtige Lagerung entscheidet über die Bildqualität – gerade an der Schulter.

Der Anlass

Womit Sie kommen

Der Arm lässt sich nicht mehr schmerzfrei über Schulterhöhe heben, das Liegen auf der Seite weckt Sie nachts auf, oder nach einem Sturz fehlt die Kraft. Häufige Frage der zuweisenden Praxis: Ist die Rotatorenmanschette gerissen – und wenn ja, wie weit?

  • Schmerz beim Heben des Arms über Schulterhöhe
  • Nächtlicher Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Kraftverlust nach einem Sturz auf den Arm
  • Wiederholtes Auskugeln oder Instabilitätsgefühl
  • Anhaltende Bewegungseinschränkung ohne Unfall

Der Weg

Was bei uns passiert – und in welcher Reihenfolge.

  1. Vor uns steht oft der Ultraschall

    Die Sonographie der Schulter beurteilt die Sehnen in Bewegung und im Seitenvergleich – für Erguss, Schleimbeutel und größere Risse oft schon ausreichend. Sie findet in aller Regel in Ihrer orthopädischen Praxis statt; zu uns kommt die Frage, die dort offen bleibt.

  2. MRT für die vollständige Antwort

    Die MRT zeigt alle vier Sehnen der Rotatorenmanschette, den Schleimbeutel, die lange Bizepssehne, den Knorpel und den Knochen darunter. Sie beantwortet auch die Frage, wie weit eine gerissene Sehne bereits zurückgewichen ist und ob der Muskel verfettet – zwei Dinge, die für die Entscheidung über eine Naht zählen.

  3. Direkte Arthrographie bei Verdacht auf Gelenklippe

    Bei Instabilität oder Verdacht auf einen Riss der Gelenklippe spritzen wir unter Bildkontrolle Kontrastmittel ins Gelenk und untersuchen anschließend im MRT. Das entfaltet den Gelenkraum – Risse, die sonst verborgen bleiben, werden sichtbar.

  4. Röntgen, wo Knochen die Frage ist

    Für Verkalkungen der Sehne, die Form des Schulterdachs und nach einem Sturz ist die Röntgenaufnahme schnell und aussagekräftig.

Welches Verfahren zeigt was?

Nicht jedes Gerät sieht jede Struktur. Diese Übersicht sagt, warum wir für Ihre Frage genau ein bestimmtes Verfahren vorschlagen – und wo es an seine Grenze kommt.

Welches Verfahren zeigt was? – für jede Struktur, wie gut Röntgen, CT, Spektral-CT und MRT sie darstellen.
StrukturRöntgenCTCT spektralMRT
Rotatorenmanschette (Sehnen)Die MRT zeigt nicht nur den Riss, sondern auch, wie weit die Sehne zurückgewichen ist.zeigt es nichtzeigt es nichtzeigt es nichtzeigt es gut
Gelenklippe (Labrum)Sicher beurteilbar erst nach Kontrastmittelgabe ins Gelenk – der Grund für die direkte Arthrographie.zeigt es nichtzeigt es nichtzeigt es nichtzeigt es eingeschränkt
Schleimbeutel und ErgussEin entzündeter Schleimbeutel ist in der MRT zuverlässig abgrenzbar.zeigt es nichtzeigt es eingeschränktzeigt es eingeschränktzeigt es gut
Knochenprellung oder Bruch ohne sichtbaren SpaltNach einem Sturz bleibt oft die Frage, ob der Knochen selbst etwas abbekommen hat. Sichtbar wird das über das Knochenmarködem.zeigt es nichtzeigt es nichtzeigt es gutzeigt es gut
SehnenverkalkungKalk ist ausgerechnet in der MRT schlechter zu erkennen als im Röntgenbild.zeigt es gutzeigt es gutzeigt es gutzeigt es eingeschränkt
MuskelverfettungEntscheidend für die Frage, ob eine gerissene Sehne noch genäht werden kann.zeigt es nichtzeigt es eingeschränktzeigt es eingeschränktzeigt es gut

CT spektral ist kein zweites Gerät und kein zweiter Termin: Unser CT misst in der Spektralbetriebsart jede Schicht mit zwei Röntgenenergien, aus demselben Datensatz lassen sich Materialien getrennt darstellen. Wie das funktioniert

  • zeigt es gut
  • zeigt es eingeschränkt
  • zeigt es nicht

Was das Bild nicht beantwortet

Was ein Schulter-MRT nicht beantwortet

Ein Sehnenriss ist nicht gleichbedeutend mit Beschwerden. Bei einer Reihenuntersuchung der Allgemeinbevölkerung fand sich bei 22,1 % der Untersuchten ein kompletter Riss der Rotatorenmanschette – rund zwei Drittel davon ohne jede Beschwerde, mit steigendem Anteil im höheren Alter. Ein Bild allein begründet deshalb keine Operation; es beantwortet die Frage, was vorliegt, nicht die Frage, was zu tun ist.

Quelle: Minagawa H et al., Prevalence of symptomatic and asymptomatic rotator cuff tears in the general population, J Orthop 2013;10(1):8–12 (öffnet in neuem Tab)

Spektral-CT am Knochen

Der Bruch, den das Knochenfenster nicht zeigt

Rechnet man das Kalzium aus dem Datensatz heraus, wird ein frisches Knochenmarködem sichtbar – bei okkulten Frakturen, Insuffizienz­frakturen und frischen Wirbel­körper­sinterungen. Ein eigener Fall aus unserer Praxis zeigt den Unterschied Bild für Bild.

Fallbeispiel ansehen
CT des Ellenbogens im Knochenfenster – die Einstauchung des Radiusköpfchens ist kaum abgrenzbar.Knochenfenster
Dieselbe Schicht mit herausgerechnetem Kalzium – das Radiusköpfchen zeigt ein deutliches Knochenmarködem.Ohne Kalzium
Okkulte Radiusköpfchen­fraktur – eigener Fall aus unserer Praxis, beide Bilder aus derselben Untersuchung.

So läuft Ihre Untersuchung ab

  1. 1

    Vorbereitung

    Nichts Besonderes – außer, dass wir vorab wissen müssen, ob Sie Metall im Körper tragen. Bei einer geplanten Arthrographie bringen Sie bitte jemanden mit, der Sie nach Hause fährt.

  2. 2

    Die Untersuchung

    Sie liegen auf dem Rücken, der untersuchte Arm ruht in einer Spule dicht am Körper. Meist fünfzehn, manchmal zwanzig Minuten. Bei der direkten Arthrographie geht der Injektion eine örtliche Betäubung voraus; die Punktion selbst dauert wenige Minuten.

  3. 3

    Befund

    Wir beschreiben nicht nur, welche Sehne betroffen ist, sondern auch Rückzug und Muskelqualität – die Angaben, die Ihre orthopädische Praxis für die weitere Planung braucht.

Vor Ihrem MRT-Termin

Das werden wir am häufigsten gefragt

Ich habe ein Implantat – darf ich trotzdem ins MRT?

Oft ja, aber wir müssen es vorher wissen. Sagen Sie uns bei der Terminvergabe Bescheid, wenn Sie einen Herzschrittmacher, einen Defibrillator, ein Cochlea-Implantat, künstliche Herzklappen oder metallische Splitter tragen. Vieles davon ist heute MRT-tauglich – geklärt wird es vor dem Termin, nicht am Gerät.

Was muss ich vor der Untersuchung ablegen?

Schmuck, Uhren, Hörgeräte sowie EC- und Kreditkarten bleiben draußen – das Magnetfeld löscht Karten und zieht Metall an. Am bequemsten kommen Sie in Kleidung ohne Metallverschlüsse, Knöpfe oder Reißverschlüsse im untersuchten Bereich; dann müssen Sie sich meist gar nicht umziehen.

Ich habe Angst in engen Räumen. Was tun?

Sagen Sie es uns bei der Terminvergabe und nicht erst im Untersuchungsraum. Dann haben wir Zeit, gemeinsam die Möglichkeiten durchzugehen – von der Lagerung über die Begleitung bis zu einer medikamentösen Lösung. Am Untersuchungstag ist dieser Spielraum deutlich kleiner.

Häufige Fragen

Ich habe Platzangst – geht das Schulter-MRT trotzdem?
Oft ja. Bei der Schulter liegen Sie mit dem Kopf im vorderen Bereich des Geräts, das Gerät ist an beiden Seiten offen. Sagen Sie uns vorher Bescheid: Wir nehmen uns dann mehr Zeit, erklären jeden Schritt und bleiben über Gegensprechanlage in Kontakt.
Warum wird bei mir Kontrastmittel ins Gelenk gespritzt?
Weil die Gelenklippe ohne diese Entfaltung des Gelenkraums nicht sicher zu beurteilen ist. Die direkte Arthrographie wird nur bei entsprechender Fragestellung gemacht – bei der klassischen Frage nach der Rotatorenmanschette braucht es sie nicht.
Genügt nicht der Ultraschall beim Orthopäden?
Für viele Fragen ja – Erguss, Schleimbeutel, ein größerer Sehnenriss. Geht es um das genaue Ausmaß, um die Muskelqualität oder um die Gelenklippe, liefert die MRT deutlich mehr. Beide Verfahren konkurrieren nicht, sie beantworten verschiedene Fragen.
Wie schnell bekomme ich einen Termin?
Für die Schulter-MRT in der Regel kurzfristig; nach einem frischen Unfall sprechen Sie uns oder Ihre überweisende Praxis direkt an, dann finden wir eine schnellere Lösung.

Termin für eine Untersuchung – Schulter

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