Spektralbildgebung · GE Revolution Vibe

Spektral-CT (Dual‑Energy)

Ein Scan, zwei Energien, mehrere Antworten.

In der Spektralbetriebsart nimmt unser CT jede Schicht mit zwei unterschiedlichen Röntgenenergien auf. Weil Gewebe und Materialien darauf unterschiedlich reagieren, lassen sie sich rechnerisch trennen – Knochenmark von Kalk, Harnsäure von Kalzium, Iod von Weichteil. Das ergibt Aussagen, für die sonst eine zweite Untersuchung nötig wäre. Ohne zweiten Scan, ohne zusätzliche Dosis, ohne zweiten Termin.

Vier Rekonstruktionen desselben Thorax-Datensatzes nebeneinander – oben im Weichteilfenster, unten im Lungenfenster, jeweils in frontaler und axialer Schicht. Im rechten Unterlappen ist ein Rundherd abgrenzbar.
Spektrale Rekonstruktion · Bildmaterial GE HealthCare

Die Eckdaten der Spektralbildgebung

1Aufnahme
Die Spektraldaten entstehen während derselben Rotation. Es wird kein zweiter Scan gefahren.
0zusätzliche Dosis
Die Materialkarten werden aus dem vorhandenen Datensatz gerechnet, nicht zusätzlich gemessen.
40–140keV
So weit lässt sich die Bildenergie nachträglich wählen – von maximalem Kontrastmittel-Signal bis zur Metall-Artefaktdämpfung.
4Materialien
Iod, Kalzium, Harnsäure und Weichteil lassen sich getrennt darstellen oder gezielt herausrechnen.

Der GE Revolution Vibe ist seit 15. Juni 2026 an unserem Hauptsitz in der Eichhornstraße in Betrieb.

Das Prinzip

Warum zwei Energien mehr sagen als eine

Ein herkömmliches CT-Bild kennt pro Bildpunkt nur einen Wert – die Röntgendichte. Zwei Materialien mit zufällig gleicher Dichte sehen darin gleich aus. Die Spektralbildgebung misst stattdessen bei zwei Energien und nutzt aus, dass sich die Dichte je Material unterschiedlich stark ändert. Aus diesem Unterschied lässt sich berechnen, woraus ein Bildpunkt besteht.

  • AufnahmeDer GE Revolution Vibe wechselt während der Rotation schnell zwischen 80 und 140 kV. Es bleibt eine einzige Aufnahme – kein zweiter Durchlauf, keine zusätzliche Dosis.
  • Monoenergetische BilderAus dem Datensatz lassen sich Bilder für einzelne Energien zwischen 40 und 140 keV berechnen. Niedrige Werte betonen Kontrastmittel, hohe Werte unterdrücken Metallartefakte.
  • MaterialkartenIod, Kalzium und Harnsäure lassen sich getrennt darstellen oder gezielt herausrechnen. Genau das macht das Knochenmark sichtbar: Nimmt man das Kalzium heraus, bleibt übrig, was im Knochen an Wasser und Fett steckt – und damit ein Ödem.
  • Rückwirkend auswertbarDie Materialtrennung entsteht bei der Rekonstruktion. Kommt eine Frage erst beim Befunden auf, lässt sie sich am vorhandenen Datensatz beantworten, ohne die Patientin oder den Patienten erneut einzubestellen.
Schematische Kurven: Schwächung von Röntgenstrahlen über der EnergieDrei Kurven fallen von links nach rechts ab. Iod fällt am steilsten, Kalzium flacher, Weichteilgewebe bleibt fast waagerecht. Bei der niedrigen Röhrenspannung von 80 Kilovolt liegen die Kurven weit auseinander, bei 140 Kilovolt laufen sie nahe zusammen. Aus diesem Abstand berechnet das Gerät, aus welchem Material ein Bildpunkt besteht.80 kV140 kVEnergie der Röntgenstrahlung →Schwächung →
  • Iod fällt am steilsten – Kontrastmittel
  • Kalzium fällt flacher – Knochen, Verkalkung
  • Weichteil bleibt fast gleich – Muskel, Fett, Wasser
Schematische Darstellung des Prinzips – keine Messkurven. Entscheidend ist der Abstand zwischen den Kurven: Bei 80 kV schwächt Iod die Strahlung weit stärker als Kalzium oder Weichteil, bei 140 kV kaum noch anders. Aus diesem Unterschied zwischen zwei Messungen berechnet das Gerät die Materialkarten.

Was das für Sie bedeutet

Dieselbe Untersuchung, eine Antwort mehr

Der Gewinn der Spektralbildgebung liegt nicht darin, dass sie spektakulär aussieht, sondern darin, was sie Ihnen erspart: einen zweiten Termin, eine zweite Untersuchung, manchmal eine Punktion. Aus einem Datensatz, der ohnehin entsteht, lassen sich Fragen beantworten, die sonst eine eigene Untersuchung gekostet hätten.

Kein zweiter Termin

Die Zusatzinformation entsteht aus der Untersuchung, die ohnehin läuft. Sie müssen dafür nicht ein zweites Mal kommen und nicht ein zweites Mal nüchtern bleiben.

Keine zusätzliche Strahlung

Es wird kein zweiter Scan gefahren. Was zusätzlich sichtbar wird, wird gerechnet – aus Daten, die bereits vorliegen.

Weniger Kontrastmittel, wo es darauf ankommt

Weil niedrige Bildenergien den Iod­kontrast anheben, kommen wir in geeigneten Protokollen mit weniger Kontrastmittel aus. Das kann den Ausschlag geben, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist.

Auch später noch auswertbar

Kommt beim Befunden eine neue Frage auf, lässt sie sich am vorhandenen Datensatz beantworten – ohne Sie erneut einzubestellen. Das ist der Unterschied, den man erst bemerkt, wenn er zählt.

Und dort, wo die Materialtrennung nichts beiträgt, setzen wir sie nicht ein. Eine Technik, die überall dazugeschaltet wird, ist ein Verkaufsargument; eine Technik, die dann läuft, wenn sie eine Frage beantwortet, ist Diagnostik.

Fallbeispiel · Bewegungsapparat

Der Bruch, den man nicht sieht

Nach einem Sturz ist der Ellenbogen druckschmerzhaft, das Röntgenbild bleibt unauffällig. Im CT-Knochenfenster ist die Einstauchung des Radiusköpfchens allenfalls zu erahnen. Rechnet man aus demselben Datensatz das Kalzium heraus, tritt das frische Knochenmarködem klar hervor – und damit der Bruch.

Dieselbe Schicht als spektrale Rekonstruktion mit herausgerechnetem Kalzium: Das Radiusköpfchen leuchtet grün – ein ausgedehntes Knochenmarködem als Zeichen der frischen Einstauchungsfraktur.
Sagittale CT-Rekonstruktion des Ellenbogens im Knochenfenster: Radiusköpfchen und angrenzendes Oberarmköpfchen wirken auf den ersten Blick unauffällig, die Einstauchung ist kaum abgrenzbar.
KonventionellSpektral
Ellenbogen, sagittale Rekonstruktion aus derselben Untersuchung. Links das konventionelle Knochenfenster, rechts die kalzium-subtrahierte Spektral­rekonstruktion; grün steht für ein hohes Ödem­signal im Knochenmark. Ziehen Sie den Regler – oder bewegen Sie ihn mit den Pfeiltasten. Eigener Fall aus unserer Praxis.

Wann das den Unterschied macht

  • · Klinischer Frakturverdacht bei unauffälligem Röntgenbild – Radiusköpfchen, Kahnbein, Hüfte, Sprunggelenk
  • · Wirbelkörper: frische gegenüber alter Sinterung, wenn die Klinik die Höhe nicht eindeutig zuordnet
  • · Insuffizienz- und Ermüdungsfrakturen bei Osteoporose
  • · Knochenkontusion („bone bruise“) nach Distorsion
  • · Patientinnen und Patienten, für die eine MRT nicht in Frage kommt – etwa bei bestimmten Implantaten oder ausgeprägter Platzangst

Was die Studienlage sagt

Für Wirbelkörperfrakturen fasst eine Metaanalyse in Radiology 17 Studien mit 742 ödematösen Wirbeln zusammen und findet gegenüber der MRT eine Sensitivität von 89 % und eine Spezifität von 96 %.

Sherbaf FG et al., DECT in Detection of Vertebral Fracture–associated Bone Marrow Edema. Radiology 2021; 300(1):110–119. doi.org/10.1148/radiol.2021203624

Und was sie nicht kann

Die Kalzium-Subtraktion ist ein Rechenergebnis und hat ihre Grenzen: Entlang der Kortikalis entstehen Randeffekte, stark sklerosierte Areale und Metall verfälschen die Materialtrennung, und Weichteile – Bänder, Sehnen, Knorpel – beurteilt sie nicht. Wo diese Fragen im Vordergrund stehen, bleibt die MRT das Verfahren der Wahl. Die Spektral-CT ist kein Ersatz, sondern eine Zusatzantwort aus einer CT, die ohnehin läuft.

Alle Verfahren am Bewegungsapparat

Wo wir spektral rekonstruieren

Die Materialtrennung hilft nicht überall gleich viel. Das sind die Fragestellungen, bei denen sie in unserem Alltag den Ausschlag gibt.

Knochenmarködem am Bewegungsapparat

Kalzium-Subtraktion macht Ödem im Knochen sichtbar – bei okkulten Frakturen, Insuffizienz­frakturen und Knochen­kontusionen, die im normalen Knochenfenster nicht auffallen.

Bewegungsapparat

Gicht-Nachweis

Harnsäure­kristalle haben ein eigenes Spektral­verhalten und lassen sich farbkodiert von Kalk trennen – eine Option bei unklarer Mon- oder Oligoarthritis, wenn eine Punktion nicht möglich oder nicht eindeutig war.

Steincharakterisierung

Harnsäure­steine gegenüber kalzium­haltigen Steinen zu unterscheiden ändert die Therapie – Harnsäure­steine sind medikamentös auflösbar. Die Antwort fällt in derselben Untersuchung an, in der der Stein gefunden wird.

Zur Uro-CT

Iod-Perfusionskarten der Lunge

Bei Verdacht auf eine chronisch throm­bo­embolische pulmonale Hypertonie liefert eine einzige Spektral-CTPA Anatomie und Perfusions­verteilung – ergänzend zur Szintigraphie.

Leitfaden für Pneumologen

Gefäße und Kontrastmittel­reduktion

Niedrige monoenergetische Rekonstruktionen (40–50 keV) heben den Iod­kontrast an. Das erlaubt kontrastmittel­sparende Protokolle – relevant bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Gefäßdiagnostik

Artefaktreduktion bei Metall

Hohe monoenergetische Rekonstruktionen (bis 140 keV) dämpfen Aufhärtungs­artefakte – etwa neben Prothesen, Platten und Schrauben, wo sonst ganze Bild­bereiche unbeurteilbar bleiben.

Gewebe­charakterisierung im Abdomen

Ob eine Läsion Kontrastmittel aufnimmt, lässt sich über die Iod­karte direkt beurteilen – auch dann, wenn nur eine Kontrastmittel­phase vorliegt. Das erspart in manchen Fällen eine Nachkontrolle.

Für zuweisende Praxen

Was auf den Schein gehört

Ob spektral rekonstruiert wird, entscheiden wir anhand der Fragestellung – dafür brauchen wir sie. Ein Satz zum klinischen Verdacht genügt: „Sturz auf den Ellenbogen, Druckschmerz Radiusköpfchen, Röntgen unauffällig“ sagt uns mehr als „CT Ellenbogen“. Bei Verdacht auf Gicht, auf eine frische Wirbelkörpersinterung oder auf eine Insuffizienzfraktur planen wir die passende Rekonstruktion von vornherein ein.

Kurzer Weg für Rückfragen zur Verfahrenswahl: 0931 41799-0 – wir verbinden Sie mit der befundenden Kollegin oder dem befundenden Kollegen.

Häufige Fragen zur Spektral-CT

Dauert eine Spektral-CT länger als eine normale CT?
Nein. Die Spektralinformation entsteht während derselben Aufnahme, weil das Gerät die Röhrenspannung während der Rotation umschaltet. Für Sie ändert sich am Ablauf nichts – Lagerung, Atemkommandos und Untersuchungsdauer bleiben gleich.
Bedeutet Spektral-CT mehr Strahlung?
Nein, es wird kein zweiter Scan gefahren. Die Zusatzinformation wird aus demselben Datensatz berechnet. Wie bei jeder CT gilt: Wir arbeiten nach dem ALARA-Prinzip und führen die Untersuchung nur bei rechtfertigender ärztlicher Indikation nach § 83 Strahlenschutzgesetz durch.
Kostet die Spektral-CT extra?
Sie buchen die Spektralbildgebung nicht gesondert dazu – sie entsteht bei der Rekonstruktion der Untersuchung, die ohnehin durchgeführt wird. Für gesetzlich Versicherte fallen dadurch keine zusätzlichen Kosten an. Privat Versicherte und Selbstzahler rechnen wir nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab; was auf Sie zukommt, sagen wir Ihnen vor der Untersuchung.
Kann ich eine Spektral-CT als Selbstzahler buchen?
Eine CT ist keine Leistung, die sich unabhängig von einer medizinischen Fragestellung bestellen lässt. Vor jeder Untersuchung mit Röntgenstrahlung steht die rechtfertigende Indikation durch eine fachkundige Ärztin oder einen fachkundigen Arzt (§ 83 Strahlenschutzgesetz) – das gilt für Selbstzahler genauso wie für gesetzlich Versicherte. Wenn eine Untersuchung angezeigt ist und Sie sie selbst tragen möchten, klären wir Ablauf und Kosten vorher mit Ihnen.Selbstzahler-Leistungen
Ersetzt die Spektral-CT eine MRT?
Nein. Die MRT bleibt für Knorpel, Bänder, Sehnen und Weichteile das überlegene Verfahren und kommt ohne Röntgenstrahlung aus. Die Spektral-CT beantwortet eine Zusatzfrage innerhalb einer CT, die ohnehin gemacht wird – zum Beispiel, ob hinter einem unklaren Knochenbefund ein frisches Ödem steckt. Wenn eine MRT die richtige Untersuchung ist, machen wir eine MRT.Zur MRT
Muss ich die Spektral-CT extra anfordern?
Nein. Ob spektral rekonstruiert wird, entscheiden wir anhand der Fragestellung. Für zuweisende Praxen ist trotzdem hilfreich, den klinischen Verdacht auf dem Schein zu nennen – etwa „Sturz, Druckschmerz Radiusköpfchen, Röntgen unauffällig“ oder „Verdacht auf Gicht“. Dann ist die passende Rekonstruktion von vornherein eingeplant.
An welchem Standort steht das Gerät?
Der GE Revolution Vibe steht an unserem Hauptsitz in der Eichhornstraße 21 in Würzburg. Dort finden alle Untersuchungen statt, für die wir die Spektralbildgebung nutzen.Standort Eichhornstraße
Gibt es die Spektralbildgebung bei jeder CT?
Nein. Sie steht am GE Revolution Vibe für die meisten Fragestellungen zur Verfügung, aber nicht in jedem Protokoll – bei EKG-getriggerten Aufnahmen des Herzens zum Beispiel nicht. Welche Rekonstruktionen möglich sind, entscheiden wir pro Untersuchung.

Unklarer Befund? Sprechen Sie mit uns.

Für Fragen zur Verfahrenswahl erreichen Sie unsere Ärztinnen und Ärzte direkt – auch vor der Anmeldung.